Damit die Pfeile sauber fliegen
Der Reiz am traditionellen Schießen ist nicht nur das Schießen selbst, sondern auch die Möglichkeit, den Pfeil bis zu seinem Ziel verfolgen zu können. Beim Compound-Bogen ist das etwas schwerer. Im traditionellen Bogensport hingegen hat man eine stärkere Abhängigkeit zwischen dem Schützen und dem Bogen. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei vor allem die Visualisierung der Flugbahn des Pfeils. Wenn ein traditioneller Schütze im vollen Auszug ist und sein Ziel anvisiert, so hat er – sofern er nicht mit der Pfeilspitze zielt – bereits unbewusst die genaue Flugbahn des Pfeils vor Augen.
Diese Art des Zielens könnte man als Gap Shooting bezeichnen. Oft decken sich aber die tatsächliche Flugbahn und die Vorstellung des Schützen bezüglich dieser Bahn nicht. Passt der Pfeil nicht, ist er z.B. zu steif oder zu weich, dann resultiert daraus oft ein unsauberer Pfeilflug. Das Gleiche gilt, wenn das Pfeilgewicht nicht passt. Die visualisierte Vorstellung und die tatsächliche Flugbahn passen dann nicht zusammen. Einen Pfeil auf einen traditionellen Bogen abzustimmen ist in der Regel etwas schwieriger als die Abstimmung bei einem Compound-Bogen. Nachfolgend ein paar Unterschiede:
- Compound: Alle Bögen haben einen eingeschossenen Center Shot. Man kann sich Pfeile aus einer Spine-Tabelle leicht aussuchen.
- Recurve und Langbogen: Spine-Tabellen helfen hier oft wenig weiter. Die Bogenfenster der verschiedenen traditionellen Bogenarten sind unterschiedlich weit auf Mitte geschnitten. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Auszugslängen der Schützen. Hier macht sich dann der dynamische Spine bemerkbar.
- Compound: Man benötigt einen eher steiferen Pfeil. Manche Hersteller sagen sogar, dass der Pfeil nicht steif genug sein kann.
- Recurve und Langbogen: Die Steifigkeit des Pfeils muss exakt auf den jeweiligen Bogen abgestimmt sein. In der Regel kann man keinen guten Pfeilflug mit einem zu weichen bzw. zu harten Schaft erzielen.
- Compound: Der Pfeilflug wird in der Regel durch Veränderung und Tuning des Bogens verbessert.
- Recurve und Langbogen: Um den Pfeilflug zu tunen, muss der Pfeil selbst verändert werden.
Um den passenden Spine für seinen Bogen zu ermitteln, kann man einen sogenannten Blankschafttest machen. Bei dieser Tuningmethode wird einfach der Pfeilflug eines unbefiederten Pfeils geschossen und der Treffer beobachtet. Um dieses Tuning verstehen zu können, muss man sich vor Augen halten, dass der Pfeil nicht wie bei einem Compound direkt von der Sehne aus auf die Scheibe zielt. Der Pfeil eines traditionellen Bogens zielt – würde man den Bogen genau Richtung Ziel halten – eigentlich links am eigentlichen Ziel vorbei (Bild 1). Dies gilt natürlich nur für Rechtshänder, bei einem Linkshand-Schützen muss man sich alles seitenverkehrt vorstellen.
Ist der Bogen nur wenig bis gar nicht zur Mitte geschnitten, muss man das bei solchen Bogen ausgleichen. Der Bogen steht also mehr oder weniger rechts neben dem Ziel, der Pfeil zeigt direkt darauf. Beim Schießen bewegt sich die Sehne jetzt nicht Richtung Ziel, sondern versucht natürlich wieder zur Bogenmitte hin zu gehen. Dadurch wird auf das Ende des Pfeils eine enorme Kraft auf das Nockende ausgeübt. Das Ende des Pfeils wird also wieder zur Bogenmitte hin bewegt (Bild 2).
Die Kraft wird außerdem auf das Ende schneller übertragen als auf den vorderen Teil des Pfeils. Dadurch wird der Pfeil während des Abschusses auch verbogen. Diese Verbiegung ist wichtig, da der Pfeil sonst links am Ziel vorbei gehen würde. Der Pfeil biegt sich also um das Mittelstück herum und sollte im besten Fall direkt im Zentrum den Bogen verlassen.
Wenn der Schaft also zu weich ist, so verbiegt sich der Pfeil zu sehr um das Mittelstück und verlässt den Bogen mit der Pfeilspitze nach rechts. Ist der Schaft hingegen zu steif, so verbiegt er sich zu wenig und der Pfeil fliegt in jene Richtung, in die er vor dem Schuss zeigt, also nach links. Der Pfeil verlässt den Bogen mit der Spitze nach links und der Nocke nach rechts.
Beim Blankschafttest ( Bild 3) sieht man den Pfeilflug sehr gut. Wie der Schaft in der Scheibe steckt, hängt auch von der Entfernung ab. Ein weicher Pfeil wird aber in der Regel mit der Spitze nach rechts und der Nocke nach links zeigend in der Scheibe stecken. Bei einem steiferen Pfeil wird das Ergebnis genau umgekehrt sein, die Spitze nach links und die Nocke nach rechts zeigend.
Dabei muss aber auch noch zusätzlich der Spline (Bild 4) berücksichtigt werden. Was ist dieser Spline? Ein länglicher runder Körper, wie es ein Pfeilschaft ist, hat immer eine Stelle, in der die Durchbiegung am schwächsten ist. Der Schaft biegt sich automatisch aber in die Richtung, wo der Widerstand am schwächsten ist. Durch Drehen der Nocke ist das eigentlich leicht zu bewerkstelligen. Beachtet man den Spline aber nicht, bekommt man unter Umständen falsche Rückmeldungen bei diesem Test.
|
|
|
Bild 3 - Blankschafttest: Eine saubere Schusstechnik ist Voraussetzung für die richtigen Rückschlüsse. ... Blankschafttest |
Bild 4 - Spline: Der Spline ist neben dem Spine ein wichtiger Faktor beim Pfeiltest. Die Stelle, bei der ein Schaft am steifsten ist, definiert ihn. Beachtet man ihn nicht, macht der Schaft unkontrollierte Bewegungen. ... Der Spline ... Der Spline von Holzpfeilen |
Wie verändert man nun den Spine des Pfeils? Bei einem steifen Pfeil kann man eigentlich nur eine schwerere Spitze verwenden. Dadurch wird die Kraft auf den vorderen Teil noch langsamer übertragen, wodurch sich der Schaft mehr biegt.
Bei einem zu weichen Pfeil wird einfach der Schaft selbst ein wenig gekürzt. Ein kürzerer Pfeil ist nämlich steifer als ein langer Pfeil. Dies kann man sehr einfach simulieren. Man nimmt den Pfeil an den Enden und versucht ihn vorsichtig zu verbiegen. Nun greift man den Pfeil etwas weiter in der Mitte und versucht es nochmal. Man wird sehr schnell merken, dass ein kurzer Pfeil schwerer zu verbiegen ist.
Um den richtigen Pfeil für seinen Recurve oder Langbogen zu finden, muss man einfach etwas experimentieren. Am besten startet man mit einem Schaft, der etwas zu lang und zu weich ist. Anschließend schießt man einfach kürzere Schäfte, um den korrekten Spine ermitteln zu können und der Pfeil schlussendlich in einer geraden Linie im Ziel steckt.
Folgende Dinge sollte man bei der Auswahl eines Pfeils für einen traditionellen Schützen beachten:
- Pfeillänge: Der Pfeil sollte mindestens ein Zoll länger sein. Wenn er zwischen 2 und 5 Zoll länger ist, so ist das auch ok. Ein traditioneller Schütze hat in der Regel kein Visier und ein längerer Pfeil verbessert das Visierbild. Ein schwerer Pfeil erzeugt auch mehr Penetration (für Bogenjäger). Also je länger, desto mehr Gewicht.
- Carbonpfeile: Bei Pfeilen aus Carbon wird man in der Regel nur ein bis zwei verschiedene Spines verwenden können (angegeben in Hundertstel-Zoll: 0,600 = 600er). Hier wird es also schwer, einen Schaft nur auf Grund der Länge zu tunen.
- Holzpfeile: Bei Holzpfeilen gibt es unzählige Spine-Gewichte (angegeben in Pfund: 40#, 50# ...), es ist also viel einfacher, den exakten Spine auf die optimale Länge zu finden.
- Spitzengewicht: Traditionelle Schützen bevorzugen schwerere Spitzen. Auf Grund dessen muss man etwas steifere Pfeile testen.
- Blankschafttest: Der Blankschafttest eignet sich nur für Schützen, die auch gut schießen können. Jegliche Veränderung der Auszugslänge hat einen gravierenden Einfluss auf das Flugverhalten des Pfeils. Man wird unterschiedliche Ergebnisse erhalten.
- Bogenverdrehung: Auch die Verdrehung des Bogens würde das Ergebnis eines Blankschafttests stark verändern.
- Schusstechnik: Die Schusstechnik muss wirklich ausgereift sein, um einen korrekten Pfeilflug garantieren zu können.
- Tuning vorhandener Pfeile: Wenn man bereits Pfeile gekauft hat, so kann man mit ein bisschen Tuning am Bogen eventuell noch eine Verbesserung erzielen. Hier eignet sich womöglich ein dickeres seitliches Leder an der Pfeilauflage. Wenn der Pfeil zu weich ist, kann man ihn noch etwas kürzen, um ihn wieder etwas steifer zu machen. Wenn er zu steif ist, so könnte man das seitliche Leder gegen ein etwas dünneres austauschen oder den Pfeil mit einer schwereren Spitze ausstatten. Man kann jedoch nur bis zu einem gewissen Grad hier mit Änderungen etwas bewirken.
- Pfeile für Scheibenschützen: Wenn ein Schütze nach neuen Pfeilen fragt, so muss die erste Frage lauten, für welchen Zweck er diese einsetzen möchte. Bei einem reinen Scheibenschützen würde man eher einen leichteren Pfeil verwenden, mit 9 bis 13 % FOC (Front of Center), wahrscheinlich einen Pfeil mit 7 bis 9 Grain pro Pfund Zuggewicht und einer Spitze mit 100 bis 145 Grain.
- Pfeile für die Bogenjagd: Wenn der Schütze einen Pfeil für die Bogenjagd sucht, so wird er wahrscheinlich zu einem schweren Pfeil greifen. Also ein Pfeil mit 20 % FOC und 10 Grain pro Pfund Zuggewicht und einer Pfeilspitze mit 200 Grain oder mehr.
- Selfbogen: Ein Selfbogen benötigt einen weicheren Pfeil. Der Pfeil muss sich nämlich ziemlich weit um das Mittelstück biegen.
- Center-Shot und Tuning: Auch ein Bogen mit einem Center-Shot macht es dem Schützen in Sachen Tuning nicht unbedingt einfacher. Manche Langbögen oder Recurves haben sehr effiziente Wurfarme. Hier ist es ziemlich schwierig, einen Pfeil für längere Auszugslängen zu finden, welcher steif genug ist. Sollte man keinen Pfeil finden, so kann man immer noch mit dem seitlichen Leder am Bogenfenster spielen.
- Weiche Zielscheibe: Verwenden Sie eine weiche Scheibe für den Blankschafttest. Man vermeidet damit einen Pfeilbruch beim schiefen Auftreffen des Pfeils auf die Scheibe.
- Zu steifer Pfeil: Wenn ein Pfeil zu steif ist, dann hört man in der Regel das Aufschlagen des Pfeils auf das Mittelstück. Dies sieht man dann auch an Kratzspuren am Mittelstück.
- Pfeildurchmesser: Ein dünnerer Pfeil muss etwas steifer sein als ein dickerer.
- Nockpunkt: Der Nockpunkt sollte etwas höher sein. Ohne Befiederung wird der Pfeil etwas mehr nach unten gedrückt.
- Konstante Schusstechnik: Der Blankschafttest macht nur Sinn, wenn man eine saubere und konstante Schusstechnik hat.
2... 13