Kann man mit Kreuzdominanz Systemschießen?
Ich habe schon mehrmals über diese Problematik geschrieben. Bei einem kleinen Streifzug durch ein Internet-Forum wurde diese Frage gestellt. Und die Antworten/Posts dazu sind teilweise – vorsichtig ausgedrückt – sehr originell. Deshalb versuch ich die Sache hier einmal systematisch anzugehen und darzustellen. Sollte ein Forumteilnehmer das hier lesen, steht es ihm frei das auch dort zu platzieren.
Was ist Systemschießen?
Zuerst muss geklärt werden, was man unter Systemschießen eigentlich versteht. Dabei geht es nicht um die Schusstechnik, also den Bewegungsablauf, auch nicht um den Griff an der Sehne. Hier ziele ich vielmehr mit einer Visierhilfe. Ich visiere also. Und diese Visierhilfe kann die Pfeilspitze (auch Point of Aim genannt) oder das Bogenfenster sein. Letzteres hat den Vorteil, dass ich meine Visierhilfe Bogenfenster genau ins Ziel halten kann.
Was ist Kreuzdominanz?
Jeder Mensch hat ein dominantes Auge, das beim Sehen die Führung übernimmt. Obwohl man ja zwei Bilder sieht, wird das Bild des dominanten Auges zur Orientierung verwendet. Beim Rechtshänder ist üblicherweise das rechte Auge das dominante, beim Linkshänder das linke. Nun gibt es Menschen, bei denen ist es genau umgekehrt. Beim Rechtshänder ist es das linke und beim Linkshänder das rechte Auge.
Ich beziehe mich in der Folge nur auf einen Rechtshänder. Beim Linkshänder ist es genau umgekehrt. Schließt man als „Normaldominanter„ abwechselnd die Augen, wird man feststellen, dass das rechte Auge das linke Bild und das linke Auge das rechte Bild nimmt. Das kann man einfach überprüfen, indem man den Arm ausstreckt und abwechselnd die Augen schließt.
Bei einem Schützen mit Kreuzdominanz wird aber das falsche Bild genommen, nämlich das des dominanten Auges. In unserem Fall das linke. Damit schießt ein Schütze mit Kreuzdominanz des Öfteren links am Ziel vorbei. Es gibt aber auch Leute, bei denen die Kreuzdominanz keine Auswirkungen hat. Diese sollten einfach so weiterschießen, wie sie es bisher gemacht haben.
... mehr zur Kreudominanz
Was ist beim Systemschießen nun wichtig?
Wer mit der Pfeilspitze zielt, muss die Entfernung vorher schätzen und den Punkt, auf den er die Pfeilspitze halten möchte, vorher festlegen. Um die Entfernung zu schätzen, muss ich räumlich sehen, also beide Augen offen haben. Das geht auch mit Kreuzdominanz.
Wenn ich nun die Pfeilspitze auf einen vorher festgelegten Punkt halte, brauche ich das räumliche Sehen eigentlich nicht mehr. Ich könnte also auch ein Auge schließen, bei Kreuzdominanz das dominante, also das linke. Damit wäre dann wieder alles in Ordnung.
Eines ist auch noch zu beachten. Und das betrifft auch Systemschützen, die keine Kreuzdominanz haben. Man muss den Pfeil unter dem Auge, also dem rechten, haben. Nur so kann man auch die Richtung halten. Steht die Sehne neben dem Auge, wird man unweigerlich links vorbei schießen.
Das Gleiche gilt auch, wenn man mit dem Bogenfenster zielt. Auch hier kann man genauso vorgehen.
Die Moral von der Geschicht´
Man kann natürlich mit Kreuzdominanz Systemschießen. Allerdings wird man dabei das linke Auge schließen müssen und den Pfeil genau unter dem Auge haben müssen.
Und dass man mit Kreuzdominanz nur intuitiv/instinktiv schießen kann, ist auch eine Mähr. Wer so schießt, hat genau das gleiche Problem mit den Bildern. Ich muss also das falsche Bild (beim Rechtshänder das Bild des linken Auges = das rechte Bild) aussortieren. Und das geht so:
- Ich ziehe mit beiden Augen offen auf, um den Winkel des Bogenarms einzustellen.
- Ich schließe das linke Auge und korrigiere die Richtung.
- Ich öffne das linke Auge wieder und schieße.
So einfach ist das!
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