Mit dem Bogen durchs südliche Afrika
Ein Reisebericht
Namibia und Südafrika: Was man hier sehr viel hat, ist Zeit und Gegend, wenn man als Tourist nicht auf den Spuren des Massentourismus wandeln will. Nachdem wir das südliche Afrika schon oft bereist haben und fast alle Sehenswürdigkeiten schon mehrmals besucht haben, wollten wir dieses Mal eine Art Aktivurlaub mit dem Bogen machen. Um es gleich vorneweg zu sagen: Als reinen Bogensporturlaub sollte man das nicht betrachten. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, einer solchen Individualreise mehr „Pep" zu geben.
Wer individuell reisen will, der kann in Afrika auf ein Dachzelt nicht verzichten. Man kommt nämlich in Gegenden, wo es keine normalen Unterkünfte gibt. Oft ist ein Stellplatz auf einem Campground nur eine GPS-Position, wo man sich mitten im Nirgendwo hinstellen kann. Da hat man eben sein „Hotel" am besten mit dabei. Als Auto haben wir dieses Mal einen Toyota Landcruiser gewählt; mehr Traktor als Auto. Aber mit diesem Ding kommt man buchstäblich überall hin.
Eines der ersten Probleme, die man lösen muss, ist, welchen Bogen man hier verwendet. Nachdem wir selbst Langbogenschießen, ist es immer eher mühsam ein langes Rohr mitzuschleppen. Wir haben uns daher entschlossen, einen dreiteiligen Takedown-Langbogen von Rudi Weik zu kaufen. Kurz vor Reiseantritt traf dann die „Leyla" auch ein. Die Zeit, um die richtigen Pfeile zu finden, war relativ kurz. Wir haben nicht die optimalsten gefunden, aber für unsere Zwecke war es ausreichend. Also konnte das Abenteuer beginnen. Betonung auf Abenteuer, denn es gibt immer wieder Überraschungen, mit denen man nicht rechnet.
Unsere erste Station war Windhoek. Etwas außerhalb sind vier deutschsprachige Namibianer dabei, eine Art Bogensportzentrum mit dem ersten 3-D-Parcours in Namibia aufzubauen. Rund 20 km nördlich der Hauptstadt haben sie mit einem Farmer einen Vertrag abgeschlossen, der langfristiges Planen erlaubt. Vom Farmtor bis zur Baustelle waren es nochmal gut 15 Minuten Fahrt auf der Farm. Hier sind andere Größenordnungen angesagt. Die Farm selbst hat 6.500 Hektar. Das sind immerhin 65 km2, für namibianische Verhältnisse nicht allzu groß. Im September sollte alles fertig sein und Eröffnung gefeiert werden. Bis dahin steht aber noch einiges an Arbeit an. Hier sollen in Zukunft Bogenschützen und Touristen gleichermaßen mit Pfeil und Bogen, vorbei an echten Antilopen, unterwegs sein. Nach einem Training und Hinweisen, was man denn noch alles besser machen könnte, verließen wir die Farm wieder Richtung Windhoek.
Wir hatten zwar Gummi-Plunts mitgenommen, aber für eine Zielscheibe war logischerweise zu wenig Platz im Gepäck. Also ab zum nächsten Bogensporthändler. Im Gegensatz zum Land, ist dieser Laden aber relativ klein. Aber einen Schießwürfel hatten sie auf Lager. Zwei Abende gepflegtes Essen in Windhoek waren noch angesagt. Vielleicht das letzte Mal für längere Zeit.
Unser erstes großes Ziel war der Kgalagadi Nationalpark in Südafrika. Bis zur Grenze waren es noch zwei Etappen. In der Nähe von Mariental machten wir auf einer Game Lodge (Wildlodge) Station. Flugs die Bögen zusammen gebaut, den Würfel aufgestellt und schon ging die erste Trainingseinheit los. „Wat doen julle hier? (Was macht ihr hier?)", rief uns der Eigentümer der Farm aus dem Auto zu. Nachdem er näher gekommen war, stelle er fest, dass es sich doch um etwas professionelles Equipment handelte; Bögen von Rudi Weick eben.
Tags darauf, nach rund 250 Kilometer Schotterpiste, kamen wir auf der Kalahari Game Lodge an. Wir bekamen Campsite 1 zugewiesen, rund 2 Kilometer von der Lodge entfernt. Insgesamt stehen hier fünf Stellplätze zu Verfügung, jeder etwa 200 Meter vom nächsten entfernt. 50 Meter von uns entfernt ziehen Oryx, Springböcke und Gnus ihre Bahnen und beachten uns eher wenig. Sie sind schon etwas an Menschen gewöhnt. Hier kann man auch weit schießen; sogar sehr weit.
Reisen abseits ausgetretener Pfade
Am nächsten Tag ging es zur Grenze nach Südafrika. Der Übergang bei Mata Mata in den Kgalagadi Nationalpark, einem großen Nationalpark zwischen Südafrika und Botswana. Der Grenzübergang ist sehr klein und nur an die fünf bis zehn Autos passieren hier täglich. Ein ruhiger Job für die Bediensteten der Grenzstation. Unser Ziel war die Bitterpan, eine kleine Salzpfanne mitten im Park; Luftlinie rund 60 Kilometer entfernt. Allerdings gibt es hier eine Einbahnregel. Man kommt nur auf einem Weg hin und auf einem anderen wieder zurück. Hin sind es rund 230 km auf einer reinen 4 x 4-Strecke. Nur vier einfache Zeltunterkünfte gibt es hier. Und die muss man ein Jahr vorher buchen und Glück haben, tatsächlich eines zu bekommen. Wir hatten das Glück. Nur ein Schwarzer organisiert hier alles. Als er uns sah, wie wir die Bögen auspackten und zu schießen begannen, kam er interessiert auf uns zu und meinte eher beifällig: „Don´t go to far, you could meet lions!" Ist schon gut, dachten wir. Und gleich in der ersten Nacht waren zwei ausgewachsene Löwen keine 20 Meter hinter unserer Unterkunft entfernt. Große Aufregung, den Fotoapparat gesucht und schnell noch einige Fotos gemacht, bevor sich die beiden wieder von dannen machten. Auf Entfernungstraining verzichtete Karin am folgenden Tag. Die Schüsse wären zu weit und die Löwen zu schnell!
Unser nächstes Ziel war der Richtersveld Nationalpark in Südafrika. Seit dem Jahr 2004 ist er zusammen mit dem Ai Ais Nationalpark in Namibia zu einem grenzüberschreitenden großen Nationalpark zusammengeschlossen worden. Der Weg dorthin führt entlang der Oranje, dem zweitlängsten Fluss in Afrika, der auf den letzten 600 km die Grenze zwischen Namibia und Südafrika bildet. Mitten in der Wüste schlängelt sich ein grünes Band durch die Landschaft. Um über die Grenze zu kommen, muss man mit einer Pontoon-Fähre übersetzen.
Wir hatten vorsichtshalber die Bögen wieder zerlegt, da wir bei jedem Grenzübergang nach „Firearms" gefragt wurden. Nur keine Situationen heraufbeschwören, die man nicht oder schwer erklären kann. Wer es einsam und einfach haben möchte, ist hier goldrichtig. Wir hatten sechs Nächte im Park gebucht. Nach 10 km kamen wir an. Eine Feuerstelle, sonst nix! Nachdem das Camp aufgebaut war, wurden gleich einige Pfeile geschossen. Dieses Mal stand Windtraining auf dem Programm. Und das nicht nur beim Bogenschießen. Heftiger Wind machte uns zu schaffen. Da lernt man vorhalten. Auf 20 Meter kann es schon mal ein halber Meter sein. Drei südafrikanische Ehepaare hatten in der Zwischenzeit 50 Meter von uns entfernt ihr Lager aufgebaut; professionell wie das hier gemacht wird. Mit Küchen-Trailer und allem, was dazugehört. Abends saßen wir gemeinsam am Lagerfeuer und erzählten ihnen über „Archery in Europe und South Africa". Und da war so ziemlich alles neu für sie.
Wer Offroad-Fahren mag ist hier genau richtig. Der Weg aus dem Nationalpark ist - sagen wir mal - herausfordernd. Hier ist der Toyota Landcruiser genau richtig am Platz. Das ist nicht jedermanns Sache. Karin begnügte sich mit der Rolle des Copiloten. Hin und wieder ein ungewollter Aufschrei war auch dabei. Dafür ist sie unsere Tiefsand-Expertin. Sollte man so etwas machen, wäre ein kleines Offroad-Training vorher nicht schlecht. Man lernt dabei nicht nur das richtige Fahren, sondern auch, was die Autos alles können; und das ist extrem viel. Für die gut 45 km haben wir dann auch fast drei Stunden gebraucht; geil war‘s trotzdem!
Nach einigen Nächten ohne Infrastruktur machten wir in Port Nolloth an der Atlantikküste Station. Direkt am Meer konnten wir auch am Strand im Sand schießen. Dieses Mal auch weit, denn Löwen gibt es hier weit und breit nicht. Wer Pech hat und daneben schießt. kann schon mal den Pfeil aus einem toten Tintenfisch ziehen. Ist nicht sehr angenehm. Auch hier wieder Interessierte, die aus den Fenstern schauten. Nach einem Arbeitstag (einer muss ja die Artikel schreiben) und zwei netten Abenden mit Südafrikanern ging es in den Namaqualand Nationalpark.
Der Park und die Umgebung sind berühmt für seine Blumenpracht, wenn genug Regen gefallen ist. Und das war dieses Jahr der Fall. Man hat am Kap wieder genug Wasser. Praktisch mitten in einer Wüste blühen plötzlich Blumen in allen Farben. Leider zogen dunkle Wolken auf und es war Regen angesagt. Nach weiteren zwei Nächten und einigen Wanderungen durch das Blumenmeer begann es zu unserer Abfahrt zu regnen; und wie!
Bei Regen ist es eher ungemütlich im Zelt und beim Bogenschießen sowieso, vor allem, wenn man nicht auf Regen eingestellt ist. Die letzten vier Nächte mieteten wir uns dann auf zwei noblen Weingütern in der Nähe von Kapstadt ein. Stellenbosch, östlich von Kapstadt, ist immer eine Reise wert, auch ohne Bogen. Ein Abstecher nach Franschhoek, zu Chris Erasmus, dem „bogenschießenden Chef", durfte natürlich nicht fehlen. Er wird den Würfel für uns aufheben. Im Februar werden wir wieder vorbei schauen. Und das sicher wieder mit dem Bogen.
Schießen in Afrikas Wildnis
Land und Leute
Die Highlights
Windhoek
bedeutet Windecke und hieß von 1903 bis 1918 amtlich Windhuk. Es ist die Hauptstadt Namibias sowie das wirtschaftliche und politische Zentrum Namibias. Die Stadt liegt im Windhoeker Becken, dem annähernd geographischen Mittelpunkt des Landes, eingefasst zwischen den Erosbergen im Osten, den Auasbergen im Süden und dem Khomashochland im Westen und Norden. 1840 wurde Windhoek erstmals urkundlich erwähnt und 1890 als moderne Stadt gegründet. Derzeit leben rund 340.000 Einwohner dort, bei einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von etwa 4,5 Prozent.
Der Kgalagadi Transfrontier Nationalpark
ist ein durch die Zusammenlegung des Kalahari-Gemsbok-Nationalpark/Südafrika und des Gemsbok-Nationalpark/Botswana entstandenes und grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet in der Kalahariwüste mit einer Fläche von rund 38.000 Quadratkilometer. Er ist bekannt für seine Löwen, da sie im Gegensatz zu denen im Krüger-Nationalpark von Tuberkulose verschont sind und daher in relativ hoher Dichte vorkommen.
Der Ai-Ais Richtersveld Transfrontier Nationalpark
ist ein seit 2003 bestehender länderübergreifender Nationalpark zwischen Namibia und Südafrika. In ihm befindet sich der zweitgrößte Canyon der Welt, der Fish River Canyon, der 350 Millionen Jahre alt ist. Der Park wird durch den namibisch-südafrikanischen Grenzfluss Oranje geteilt. Dieser neue Nationalpark gehört zu den Peace Parks im südlichen Afrika, da er über zwei Staatsgrenzen hinweg die Regionen schrankenlos verbindet. Grenzübergang ist eine Fährverbindung bei Sendelingsdrift.
Das Namaqualand
ist eine Region in Südafrika am Unterlaufs des Oranje. Eine der Hauptattraktionen des Namaqualands ist die jährlich Ende August/Anfang September stattfindende Wüstenblüte. Entsprechende Temperaturen und Regen vorausgesetzt, entfaltet sich hier binnen weniger Tage aus dem scheinbar leblosen Wüstenboden eine millionenfache Blütenpracht, die – vor allem um die Stadt Springbok herum – weite Teile des Namaqualandes überzieht.
Was tun, wenn?
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