Nichts geht über Naturfedern

Federn sind eines der Wunder der Schöpfung. Sie bestehen aus der Proteinsubstanz Keratin, einem harten und sehr haltbaren Material. Federn sind nahezu perfekt für den Flug geeignet, da sie leicht, stark, aerodynamisch geformt sind und eine komplizierte Struktur aus Widerhaken und Haken aufweisen.

Die Feder

Aufbau einer Naturfeder:
Aufbau einer Naturfeder: Der komplizierte Aufbau von Federn ist eines der Wunder der Natur; leicht, flexibel und fest zugleich.

Der erste Teil, der Kiel der Feder, ist hohl, während der hintere Teil, der Schaft, fest ist. Kiel und Schaft haben links und rechts eine Reihe von Federästen. Von diesen gehen auf einer Seite Bogenstrahlen weg, auf der gegenüberliegenden Seite die sogenannten Hakenstrahlen. Die Haken an den Hakenstrahlen verhaken sich mit den Bogenstrahlen und ergaben damit eine für das Auge zusammenhängende Fläche. Die Hakenstrahlen greifen mit Hilfe ihrer Haken wie ein Reißverschluss fest ineinander und können mit einem Klettverschluss verglichen werden. Der Flügel eines Vogels ist somit leicht und geschmeidig, aber auch extrem stark und belastbar. Wenn die Haken aus irgendeinem Grund auseinandergerissen werden, kann der Vogel die Federn leicht wieder in ihre ursprüngliche Form bringen, indem sie sich entweder selbst schütteln oder er die Federn mit dem Schnabel wieder in Form bringt. Auch isolieren Federn den Vogel vor Hitze und Kälte. Jeder, der schon mal in einer Gänsedaunendecke oder einem Daunenschlafsack geschlafen hat, wird bestätigen, wie warm sie selbst bei eiskalten Temperaturen sind. Und Federn können auch Wasser abweisen.

Naturfedern sind effektiv

Flexibilität von Naturfedern:
Flexibilität von Naturfedern: Naturfedern richten sich sehr schnell wieder auf. Hier be einem Streifschuss in unterschiedlichem Abstand zum Ast.

Die physischen und strukturellen Eigenschaften von Naturfedern, besonders die Flügel- und Schwanzfedern großer Vögel, wie Adler und Truthahn, ihre Flexibilität, die Festigkeit, das geringe Gewicht und das schnelle Aufrichten bei Verformungen, machen sie hervorragend für die Pfeilbefiederung geeignet. Dieser Umstand wurde schon vor Tausenden von Jahren entdeckt. Und obwohl heute Kunststoff-Befiederung (auch bezeichnet als Plastikfedern oder Vanes) als Alternative zu Federn angeboten wird, haben Federn doch viele Vorteile gegenüber Kunststoff.

Pfeile können aber auch mehr als funktionell sein. Pfeile sind oft wahre Kunstwerke. Wobei die Befiederung wesentlich zur optischen Attraktivität eines Pfeils beiträgt. Die Hauptfunktion einer Feder besteht natürlich hauptsächlich darin, den Pfeil im Flug zu stabilisieren und in der Flugbahn zu halten. Eine sehr bunte und grelle Feder ist jedoch nicht nur optisch interessant, sondern erlaubt es auch, den Pfeil während des Fluges zu verfolgen. Das nennt man Flugbahnfeedback. Eine weitere wichtige Funktion greller Federn ist das Trefferfeedback, also zu sehen, wo der Pfeil getroffen hat. Schwarze Federn auf einer dunklen Scheibe sind aus einer größeren Entfernung oft schwer oder nicht mehr zu sehen. Und für die noch etwas ungenauen Schützen haben solche Federn beim Suchen hinter der Scheibe auch noch Vorteile. Man findet sie besser.

Vorteile von Naturfedern

Naturfedern sind ein effektiveres Führungssystem
Auch hier spielt eine Reihe von Faktoren eine Rolle, die dazu führen, dass Naturfedern die Pfeile effektiver lenken. Das Ergebnis ist weniger Pfeilbewegung.

- Die Oberfläche von Federn ist rauer als die von glattem Kunststoff, der Luftstrom greift besser an und korrigiert daher schnell alle Pfeilbewegungen (Fishtailing / Porpoising), was zu einer schnellen Neuausrichtung führt.
- Das geringere Gewicht verbessert die Stabilität. Je mehr Gewicht am hinteren Ende eines Schaftes angebracht ist (z.B. schwerere Plastikvanes), desto weiter rutscht der FOC (Front of Center) nach hinten.
- Wenn ein gefiederter Pfeil Kontakt zur Pfeilauflage oder mit einem Teil des Bogens hat, klappt die Naturfeder zusammen und stellt sich dann sofort wieder in ihre normale Position auf, sobald sie das Hindernis passiert hat. Selbst wenn es mit der Pfeilauflage einen heftigeren Kontakt gibt, sind die Federn innerhalb von etwa 0,0042 Sekunden und nach nur rund 40 cm wieder aufgestellt. Dies ist auch dann ein großer Vorteil, wenn die Federn einen Zweig oder ein Blatt auf der Flugbahn streifen.


Trifft dagegen eine Plastikfeder auf ein Hindernis, führt das in der Regel zu einer erheblichen Abweichung am hinteren Ende des Schafts. Die Pfeilbewegung wird durch die Kunststoffoberfläche der Vanes noch verstärkt. Der Luftstrom hat hier im Gegensatz zur Naturfeder weniger Grip. Der Pfeil kann dadurch nicht mehr so effektiv an die eigentliche Flugbahn angepasst werden. Dagegen fliegt ein Pfeil mit Naturfedern, wenn er einen Schlag an der Pfeilauflage oder dem Bogenfenster bekommen hat, immer noch ziemlich gerade.

Plastikfedern können sich nicht wie Naturfedern zusammenfalten, da sie ja aus festem Material bestehen. Sie können sich nur verformen. Deshalb stellen sie sich auch wesentlich langsamer auf, wenn sie verbogen werden. Die veränderte Form wirkt sich daher länger negativ auf den Pfeilflug aus. Plastikfedern sind daher beim Korrigieren des Pfeilfluges wesentlich träger. Man muss also darauf achten, dass sie beim Verlassen des Bogens wenig, am besten keine Berührung mit dem Bogen haben. Bei Bögen, die vom Shelf geschossen werden, ist das schwierig.

Naturfedern sind fehlerverzeihender
Die oben genannten Vorteile ergeben, dass Naturfedern ein breiteres Spektrum an Bögen, Schäften und Schießstilen erlauben. Die Pfeilauflage, das Zuggewicht, der Spine und kleine Fehler beim Lösen sind allesamt weniger kritisch. Insgesamt sind Naturfedern also wesentlich fehlerverzeihender als Plastikfedern. Auch hat man weniger Probleme, „on the Shelf„ zu schießen.

Weitere Vorteile
Naturfedern werden durch extreme Temperaturen weniger nachteilig beeinflusst. Sie werden also bei sehr heißem Wetter nicht flapprig und bei sehr kalten Temperaturen nicht steif. Naturfedern werden durch ultraviolette Strahlen nicht verändert. Plastikfedern härten dagegen aus und werden mit der Zeit brüchig, wenn sie zu lange Sonnenstrahlen ausgesetzt sind.

Das größte Plus von Plastikfedern sind sicher die Kosten. Sie sind wesentlich billiger und in den unterschiedlichsten Formen und Variationen erhältlich als die Naturfedern. Plastikfedern funktionieren im Großen und Ganzen sehr gut. Wenn es aber um extreme Präzision geht, greifen viele zu Naturfedern. Das sieht man z.B. bei vielen Compoundschützen in der Halle. Wenn es um Millimeter geht, also um 60 mal den Zehner zu treffen, sind Naturfedern fast unerlässlich.

Naturfedern versus Plastikfedern

Vergleichen wir nun die Eigenschaften von Naturfedern- und Plastikbefiederung. Was sind die Vorteile, aber auch die Nachteile von Naturfedern?

Naturfedern sind schneller. Sie sind es aus den verschiedensten Gründen:
- Federn sind viel leichter als Vanes. Sie sind rund siebenmal leichter. Dies bedeutet weniger Masse zum Beschleunigen und weniger Energieverschwendung.
- Federn erzeugen weniger Reibung, wenn sie mit der Pfeilauflage oder anderen Teilen des Bogens in Kontakt kommen. Weniger Reibung bedeutet größere Pfeilgeschwindigkeit.
- Federn „lenken" Pfeile besser als Plastikfedern. Dies führt zu weniger Reiten und Fishtailing des Pfeils, wodurch der Luftwiderstand verringert wird.


Tests zeigen, dass mit Federn befiederte Pfeile im Vergleich zu Pfeilen mit identischen Vanes im Durchschnitt eine höhere Geschwindigkeit von etwa 5 fps haben. Dave Holt und Norm Mullaney haben solche Tests durchgeführt und haben festgestellt, dass mit Naturfedern befiederte Pfeile bis 25 bis 28 Meter eine höhere Geschwindigkeit haben. Erst ab dieser Entfernung gleicht sich die Geschwindigkeit den Plastikvanes an. Da in den USA die Bogenjagd sehr wichtig ist, folgern sie daraus, dass mit Naturfedern befiederte Pfeile auf normalen Jagdentfernungen schneller sind und damit höher treffen und daher für traditionelle Bogenjäger geeigneter sind.

Natur- und Plastikfedern im Vergleich:
Bis 25 bis 28 Meter sind Naturfedern um rund 4 FPS schneller als Plastikvanes
(vgl. Dave Holt und Norm Mullaney, www.trueflightfeathers.com)
Natur- und Plastikfedern im Vergleich:
Ab 25 bis 28 Meter gleichen sich die Geschwindigkeiten von Natur- und Plastikfedern an. Ab 38 Meter sind sie gleich
(vgl. Dave Holt und Norm Mullaney, www.trueflightfeathers.com).

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